Christiane Radimsky

Jahrgang 1966, aufgewachsen in Osthessen. Nach einer mehrjährigen Berufstätigkeit als Ergotherapeutin studierte sie Sozialpädagogik. Das Studium veränderte ihre Sicht auf das Leben und Lernen und machte sie neugierig auf „mehr“.
„Beeilt euch, Ritter Erkenbert, man wartet schon auf euch.“ Mit zitternden Händen schlug ich das Visier herunter und nahm die Lanze in die Hand. Berthold reichte mir den mit Leder bezogenen Holzschild. Er spuckte dreimal vor mir aus und klatschte meinem Braunen ermutigend auf die Flanke. Mein Schlachtross schritt an den schreienden Zuschauern vorbei, den stolzen Kopf hoch erhoben.
Aus: "Erkenbert", Band 1 der Buchenau-Saga, S. 7

Die Herausforderung, die sich die Autorin und ihr Ehemann danach setzten, war der Umzug nach Großbritannien. Dort lebten und arbeiteten sie für 16 Jahre. Nach dem Brexitreferendum entschlossen sie sich, wieder zurück nach Deutschland zu ziehen. Die Autorin arbeitet als Schulsozialpädagogin an einer Grundschule. Ihre Begeisterung für Geschichte und Geschichten begleiten sie schon seit ihrer Kindheit.
„Erkenbert“ ist ihr erster Roman.

Veröffentlichungen

Zeitungsartikel und Rezensionen

Fuldaer Zeitung

In Osthessen auf dem Weg zum Ritter – Christiane Radimsky veröffentlicht „Buchenau-Saga“

Von: Leon Weiser

13. Jahrhundert in Osthessen: Schildknappe Erkenbert von Buchenau möchte ein Ritter werden. Doch stattdessen wird er in Konflikte verwickelt und sogar von seiner Burg verbannt. Autorin Christiane Radimsky berichtet von der Idee zur Saga und ihren intensiven Recherchen.

Eiterfeld – Die Idee, den mittelalterlichen Roman zu verfassen, kam der Eiterfelderin in Wales, wo sie 16 Jahre lang mit ihrem Mann lebte. In dieser Zeit hatte sie immer ein wenig Sehnsucht nach Burg Buchenau, die sie nicht nur in ihrer Kindheit faszinierte. Die gebürtige Leibolzerin begann, über die Historie der Burg im Hünfelder Land zu recherchieren. „Es gab keine Geschichten über Buchenau. Ich habe immer spekuliert, wer da gewohnt hat“, erklärt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bei ihren Recherchen „traf“ sie dann auf den jungen Schildknappen Erkenbert, der auf der Burg lebte. Der Roman ist also historisch belegt und dreht sich um sein Leben in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Erkenbert möchte ein Ritter werden, kann seine Ausbildung aber nicht beenden, weil er seinen Schirmherren – seinen Ausbilder – verliert. „Ich habe alles vor mir gesehen, als ich den Text geschrieben habe. Es macht mir Spaß, in diese Parallelwelt einzutauchen“, sagt die Autorin.

Dass sie das Buch überhaupt veröffentlichte, war eher Zufall. Auch Autorin wollte sie nie werden, weil sie bereits als Ergotherapeutin tätig war und aktuell als Schulsozialpädagogin arbeitet. „Ich habe das Buch eigentlich nur für mich geschrieben. Meine Freundin hat mich dazu ermutigt, das Buch zu veröffentlichen. Glücklicherweise habe ich auch schnell einen Verlag gefunden“, erläutert Radimsky, die viel positives Feedback bekommen hat – vor allem, weil sie über ihre Heimat geschrieben hat. (Das könnte Sie auch interessieren: „Bekennt euch zur Muttersprache“ – Neues Mundart-Buch von Eberhardt Lauer)

Bis das Buch aber fertig war, dauerte es relativ lange, weil sie alles historisch belegen wollte. „Es ist ein historischer Roman, der mit ein wenig Fiktion gespickt ist“, meint Radimsky mit einem Schmunzeln. So nimmt Erkenbert beispielsweise an einem Turnier teil, was ihn auf seine mögliche Ritterausbildung vorbereiten soll.

Allerdings wird er aufgrund der Verkettung mehrerer unglücklicher Ereignisse von seiner Heimatburg, in der er unter anderem mit seinem Onkel und seinem Bruder lebt, verbannt. Dadurch wird er in die Gründungsgeschichte der Landgrafschaft Hessen verwickelt, weil er sich um den zukünftigen Thronfolger kümmern muss, der zu dem Zeitpunkt noch ein Kind ist.

„Ich finde es spannend, was Erkenbert alles in der Zeit erleben konnte. Ich habe mir viele Fragen zu ihm gestellt, die ich mit Freude beantwortet habe. Und dann konnte ich noch meine Heimat einbeziehen“, meint die Schulsozialpädagogin. Denn der Roman spielt zum Großteil im osthessischen Landkreis Fulda. So wohnt Erkenberts Onkel in Burg Buchenau im gleichnamigen Eiterfelder Ortsteil, während mit Fulda oder Bad Hersfeld weitere osthessische Orte eine zentrale Rolle spielen. Auch Ritter aus anderen regionalen Ortschaften spielen eine Rolle.

Das führt dazu, dass es in der Geschichte des Schildknappen mehrere Stationen gibt: unter anderem Erkenberts Ausbildung, die Gründung der Landgrafschaft Hessen, aber auch eine verbotene Liebe zu einem bürgerlichen Mädchen sowie ein Pilgerweg nach Italien. All das wird aus Erkenberts Perspektive erzählt. „Ich wollte seinen Charakter erleben. Deswegen war es sofort klar, wie ich den Roman schreibe“, sagt Radimsky.

Das merkt man auch an der Sprache, die authentisch an das Mittelalter angepasst ist. Daher kommen einige Begriffe vor, die dem Leser durchaus fremd erscheinen, etwa Kemenate oder Schultheiß. Doch Radimsky hat vorgesorgt: Am Ende des Buchs befindet sich ein Index, in dem die Autorin Begriffe erklärt. „750 Jahre sind ja eine lange Zeit. Ich war immer froh, wenn in anderen Büchern solche Begriffe erklärt wurden. Deswegen habe ich das auch gemacht“, meint sie.

 

Über die Autorin

Christiane Radimsky, geborene Rehm, ist 1966 in Fulda geboren. Ihr Abitur hat sie an der Wigbertschule in Hünfeld absolviert, nachdem sie die Eiterfelder Lichbergschule besucht hatte. Seit dem Brexit wohnt sie in Eiterfeld-Leibolz. Davor lebte sie mit ihrem Mann 16 Jahre lang in Wales.

Sie hat den Roman „Erkenbert – Die Buchenau-Saga“ im vergangenen Jahr veröffentlicht. Es handelt sich um einen vierteiligen Roman. Der zweite Teil soll in diesem Jahr erscheinen. Radimsky arbeitet momentan an einer Grundschule in Bebra als Schulsozialpädagogin.

 

Der erste Teil der Buchenau-Saga ist im Oeverbos-Verlag erschienen. Das Buch kostet 17.90 Euro.

Sie blickt außerdem voraus, was im zweiten Teil passiert. Die Rolle der Frau im Mittelalter wird thematisiert, ebenso wie die weitere Geschichte des Schildknappen. „Ich richte den Blick auf die Familiengeschichte. Es geht um Liebe, Konflikte und um die Zeit der Raubritter“, verrät die Schulsozialpädagogin.

Hessische Niedersächsische Allgemeine (HNA)

Von: Christine Zacharias

(Foto der Autorin) Ist seit ihrer Kindheit von der Burg in Buchenau fasziniert und hat jetzt eine Romanserie über Ritten Erkenbert geschrieben: Christiane Radimsky aus Eiterfeld.

Buchenau – Es begann mit Heimweh. 16 Jahre lang lebten die aus der Gemeinde Eiterfeld stammende Christiane Radimsky und ihr Mann in Wales. Und obwohl es ihnen dort gut gefiel, hatte Radimsky immer wieder mit Heimweh zu kämpfen. Also begann sie, zumindest in Gedanken, in die alte Heimat zu reisen, und fing an, im Internet Informationen zu sammeln. Und weil sie als Kind schon fasziniert war von der prächtigen Burganlage in Buchenau, drehte sich die Recherche sehr bald darum, erzählt sie.

Den Plan, einmal ein Buch zu schreiben, habe sie damals nicht gehabt, erzählt Christiane Radimsky. „Ich hatte einfach Spaß am Recherchieren“, sagt sie. Alle Informationen, die sie fand, trug sie zusammen und sortierte sie fein säuberlich. Dabei fiel ihr auf, dass da immer wieder der Name Erkenbert auftauchte. „Irgendwann sah ich ihn vor mir“, erzählt Radimsky, die sich gerade bei mechanischen Tätigkeiten im Haushalt wie kochen, putzen oder bügeln gerne gedanklich ins Mittelalter begibt.

Ihr Mann drängte sie schließlich, all die vielen Informationen zu verarbeiten. Christiane Radimsky fing an zu schreiben. „Erst mal nur für mich“, betont sie. Dabei merkte sie schnell, dass Erkenbert, der den Lesern als 17-jähriger Knappe im Jahr 1247 begegnet, ein eigenes Leben entwickelt. Er ist aufbrausend, unbeherrscht und sehr von sich selbst überzeugt. Sein Lebenstraum ist es, Ritter zu werden. Als er nach dem Tod des Vaters, dessen Amt als Holzförster übernehmen soll, empfindet er das als Zumutung. Immer wieder gerät Erkenbert in Schwierigkeiten, die nicht nur ihn allein, sondern die ganze Familie betreffen. So richtig sympathisch ist er also nicht, dieser Erkenbert.

Christiane Radimsky identifiziert sich trotzdem mit ihrer kantigen Titelfigur, über deren Leben sie eine ganze Saga schreiben will. Band eins mit dem Titel „Erkenbert“ wurde im Oktober veröffentlicht, Band zwei „Der Halsbandsittich“ ist weitgehend fertig und im Lektorat. Der Halsbandsittich ist das Wappentier derer von Buchenau. Band drei und vier sollen folgen.

Vieles von dem, was Christiane Radimsky in ihrer Buchenau-Saga erzählt, ist historisch belegt – aber nicht alles. Tatsächlich hat es aber viele der Figuren, die in den Romanen auftauchen, gegeben. Und auch der Streit um die Erbfolge und Vorherrschaft in der Landgrafschaft Hessen, in dessen Verlauf der kleine Landgraf Heinrich, damals ein drei Jahre altes Kind, entführt und wieder befreit wurde, hat wirklich stattgefunden. Details sind allerdings nicht bekannt. „Es könnte doch Erkenbert gewesen sein“, dachte sich Radimsky und schrieb ihn in die Gründungsgeschichte Hessens hinein.

Ohnehin ist es nicht ganz einfach, genauere Informationen über das Leben der Menschen im Mittelalter zu finden. Kaum jemand war damals des Schreibens kundig, sodass Geschichte sich in der Regel aus Urkunden, die Besitzverhältnisse dokumentieren, erschließen muss. Das Internet war Christiane Radimsky bei ihrer Recherche eine große Hilfe, weil dort Informationen ganz vieler Historiker greifbar sind. Darüber hinaus hat sie alles gelesen, was sie über das Mittelalter finden konnte, vor allem, wenn es sich um hessische Ritterburgen oder die Entwicklung der Reichsabtei Fulda handelte. „Die Recherche war eine langwierige, mühselige Kleinarbeit“, erklärt Radimsky.

Historische Hintergründe also für eine Abenteuer-Geschichte aus dem 13. Jahrhundert, in der auch die Liebe nicht zu kurz kommt. „Da war auch ein bisschen Kitsch drin, aber den hat meine Lektorin wieder rausgenommen“, sagt Radimsky. Dass sie für ihr Erstlingswerk schnell einen Verlag gefunden hat – der kleine Oeverbos-Verlag aus Remagen ist spezialisiert auf historische Romane – war ihr Freude und Bestätigung. Bei dem Gedanken, dass ihre Erzählungen von Ritter Erkenbert und den Buchenauern nun allgemein für jedermann zugänglich sind, ist ihr aber durchaus ein wenig mulmig.

Der Roman „Erkenbert“ ist für 17,90 Euro im örtlichen Buchhandel erhältlich.

0